Fotos: Bozena Behrens

Es war der große Tag in Hoppegarten, und am Ende setzte sich tatsächlich die Favoritin durch: Die sechsjährige Stute Tiffany hat am Sonntag den Westminster 136. Großen Preis von Berlin gewonnen. Vor rund 11.200 Zuschauern auf der Galopprennbahn östlich von Berlin siegte die Engländerin unter Luke Morris im dramatischen Finale über 2400 Meter mit einem Hals Vorsprung vor dem dreijährigen Bright Light. Der Sieg war zugleich der bislang größte Erfolg einer Rennkarriere, in der Tiffany zuvor mehrfach denkbar knapp an einem Gruppe-I-Triumph in Deutschland vorbeigelaufen war. Das mit 155.000 Euro dotierte Rennen gehört zu den sieben deutschen Gruppe-I-Prüfungen und zählt international zu den bedeutendsten Rennen über die klassische Distanz.

Tiffany war mit einer Quote von 27:10 als Favoritin an den Start gegangen. Der von Hongkong aus organisierte World Pool hatte ihr offenbar besonders viel Vertrauen entgegengebracht. Im Rennen selbst bewies die Stute, warum. Morris hielt sie zunächst im zehnköpfigen Feld zurück und suchte im Schlussbogen die entscheidende Lücke. Als sich auf der Zielgeraden der Weg öffnete, beschleunigte Tiffany und lieferte sich mit Bright Light einen packenden Endkampf. Der Angriff des deutschen Hoffnungsträgers kam zu spät. Tiffany rettete den Sieg über die Ziellinie, Bright Light belegte Platz zwei. Dritter wurde der bereits zehnjährige Dubai Future unter Daniel Tudhope, unmittelbar dahinter kam Tornado Alert aus dem Godolphin-Rennstall ins Ziel.

Für Trainer Sir Mark Prescott und Jockey Luke Morris war der Erfolg besonders bedeutend. Beide hatten bereits mit der Ausnahme-Stute Alpinista große Erfolge gefeiert. Alpinista gewann 2021 unter Morris unter anderem den Großen Preis von Berlin, den Preis von Europa und den Großen Preis von Bayern und triumphierte ein Jahr später im Prix de l’Arc de Triomphe. Tiffany musste dagegen deutlich länger auf ihren ersten deutschen Gruppe-I-Sieg warten. Drei zweite Plätze in deutschen Gruppe-I-Rennen standen vor dem Rennen bereits zu Buche. Nun ist der Bann gebrochen. „Sie ist so tapfer, hatte oft Pech. Heute hat sie wieder ihr großes Herz gezeigt“, sagte Morris nach dem Rennen.

Neben dem Sport wurde Hoppegarten erneut zum gesellschaftlichen Treffpunkt. Trotz hochsommerlicher Temperaturen kamen Tausende Besucher auf Deutschlands größte Galopprennbahn. Unter den Gästen waren der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, mit seiner Partnerin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch, der Chef des Hauses Preußen, Georg Friedrich Prinz von Preußen, mit seiner Familie sowie zahlreiche Persönlichkeiten aus Film, Wirtschaft und Gesellschaft. Auch Schauspieler Tom Schilling gehörte zu den bekannten Gästen. Die Hitze machte den Renntag allerdings nicht nur für Pferde und Jockeys anspruchsvoll: Auf der VIP-Tribüne waren Schattenplätze besonders begehrt, während viele Besucher mit Fächern und Sommerhüten gegen die Temperaturen ankämpften.

Der Große Preis von Berlin hat in Hoppegarten eine lange Tradition. Das Rennen wurde bereits 1888 erstmals ausgetragen und gehört heute zu den wichtigsten Prüfungen des deutschen Galopprennsports. Seit 2011 wird es wieder in Hoppegarten gelaufen. Die 2400 Meter gelten als klassische Distanz, bei der nicht allein die Endgeschwindigkeit entscheidet. Renntaktik, Kondition und die Fähigkeit, im richtigen Moment zu beschleunigen, sind ebenso entscheidend. Genau diese Kombination brachte Tiffany am Sonntag den Sieg.

Der Triumph in Berlin könnte für Tiffany zugleich der Höhepunkt ihrer Karriere sein. Ihr Team will nach dem lange ersehnten Gruppe-I-Sieg zunächst über die weitere Saisonplanung entscheiden. Sicher ist bereits: Die Stute hat in Hoppegarten eine Lücke geschlossen, die sie selbst über Jahre offen gehalten hatte. Diesmal gab es keinen zweiten Platz, kein Pech und keine verpasste Chance. Tiffany war die Favoritin und wurde ihrer Rolle gerecht.