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FOTOS: BOZENA BEHRENS / TEXT: INGRID MÜLLER-MERTENS

„Narri-Narro“ – der traditionelle oberschwäbische Narrenruf erschallte zur „fünften Jahreszeit“ nun auch in Berlin. Die Landesvertretung von Baden-Württemberg hatte eingeladen zu einer zünftigen oberschwäbischen Fasnet.

Vor allem für die quasi in Diaspora lebende schwäbische Community aber auch zur Freude vieler Berliner Gäste, die aus dem Staunen über die bunte alemannische Narrenwelt gar nicht mehr herauskamen. Vor allem lernte der eher faschingsunkundige Hauptstädter, dass die schwäbische Fastnacht und den rheinischen Karneval Welten trennen.

„Fasnet“ ist im südwestdeutschen, vorwiegend katholischen Raum alljährlich ein großes Ereignis. Jedes Jahr, rund um das siebte Wochenende vor Ostern, wird die schwäbisch-alemannische Fastnacht in vielen baden-württembergischen Gemeinden und Orten gefeiert. Die lokalen Brauchtumsformen sind verschieden aber alle haben ihre Wurzeln im 13.Jahrhundert.

Zunächst war die „Fast-Nacht“ ein reines Ess- und Trinkgelage. Und mit vielen traditionellen, eher deftigen Speisen, wird auch heute noch den weltlichen Genüssen ausgiebig gefrönt. Froschkutteln, Sauschwänzle und Schmalzgebäck, Nonnenfürzle oder Schenkele, Saure Kutteln, Nierle und sonstige Innereien – süß, sauer, fettig und kalorienreich – dürfen nicht fehlen. Schließlich steht das Fest in enger Verbindung zur unmittelbar anschließenden, entbehrungsreichen Fastenzeit. Mit der Zeit entwickelte sich aber daraus eine immer geselligere Veranstaltung mit Musik, Tanz und vor allem der Vermummung und Maskierung mit furchteinflößenden aber auch freundlichen hölzernen Larven und entsprechenden Kostümen und Requisiten.

Vielerorts übernehmen dann Narros und Spättli, Bobbele und Teufel, Jokili und Hexen das Regiment auf den Straßen. Jede Figur hat ihren Namen und Charakter, die fantasievollen Masken und Gewänder werden seit Generationen gehegt und gepflegt und weiter vererbt.13

Der von Hause aus wenig faschingsaffine Berliner zeigte sich schwer beeindruckt vom turbulenten Treiben der vielen kunstvollen Masken und Narren, die die Vereinigung freier Oberschwäbischer Narrenzünfte e.V. zur besonderen Freude der schwäbischen Landsleute in die Hauptstadt delegiert hatte. 21abgeordneter2 Auch der Bundestagsabgeordnete der Region, Michael Donth (CDU), unter anderem zuständig für Tourismus, freute sich über den gelungenen Fasnet-Export.

Wie man sehen, hören und schmecken konnte funktioniert schwäbisches Brauchtum nicht nur lokal. Der unermüdliche Ruf „Narri-Narro“ und das mit Inbrunst gesungene Württemberglied zeugten von der tiefen Verbundenheit mit regionaler Identität und heimischem Brauchtum. Verständlich, dass die schwäbisch-alemannische Fastnacht seit 2014 zum Immateriellen UNESCO-Kulturerbe gehört.